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Willkommen beim Verein punktacht

Der Verein Punktacht wurde Anfang Jahr 2016 aufgelöst.
Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Arbeitssituation von blinden und sehbehinderten Menschen zu verbessern.

Für blinde und sehbehinderte Menschen ist die Auswahl an zu erlernenden Berufen beschränkt und ihr Zugang zum Arbeitsmarkt gestaltet sich besonders schwierig. Echte Chancengleichheit mit Menschen ohne Sehbehinderung besteht in den wenigsten Fällen.

News 18.05.2016

Die Praxis für medizinische Massage “Sehende Hände” in Winterthur musste Ende 2015 wegen veränderter Rahmenbedingungen die Türen schliessen. Alle Mitarbeitenden haben eine neue berufliche Perspektive gefunden.

In den neun Jahren ihres Bestehens hat die Praxis für medizinische Massage viel erreicht. Die Anstellung bei "Sehende Hände GmbH" löste bei vielen Mitarbeitenden einen Motivationsschub aus, neue berufliche Herausforderungen anzunehmen: Insgesamt 25 Personen gründeten eine eigene Praxis oder erwarben sich Berufserfahrung für den Schritt in den ersten Arbeitsmarkt. Ein weiterer Erfolg ist die Sensibilisierung rund um Sehbehinderung in und um Winterthur. Auch konnten Erfahrungswerte bezüglich des behindertenbedingten Mehraufwandes gesammelt werden. Entwickelt worden ist die Projektidee zusammen mit sehbehinderten und blinden Masseuren und Physiotherapeuten. Der Verein Punktacht unterstützte die Massagepraxis beim Start und seiner Weiterentwicklung im Rahmen der Statuten. Hintergrund für die Auflösung der Praxis ist, dass 2009 die Ausbildung zum medizinischen Masseur neu geregelt wurde. Das führte dazu, dass weniger Menschen mit Sehbehinderung diesen Beruf erlernten und offene Stellen kaum mehr besetzt werden konnten. Trotz grosser Anstrengung gelang es Sehende Hände GmbH und Vereinsvorstand nicht, eine zukunftsfähige Lösung zu finden.

Verein Punktacht wird aufgelöst
Der Verein Punktacht wurde 2004 gegründet, um die Arbeitssituation von blinden und sehbehinderten Menschen zu verbessern. Die Massagepraxis war ein konkreter Schritt, der Dank grosser finanzieller Unterstützung von Selbsthilfeorganisationen und Stiftungen sowie dem Engagement vieler Menschen möglich wurde. Nach der Schliessung der Praxis wird der Verein aufgelöst.

News 18.05.2016

Rückblick Projekt Sehende Hände 2007 - 2015
Die Projektidee der Initianten war einleuchtend: blinde oder hochgradig sehbehinderte medizinische Masseure und Masseurinnen gehören zu den Besten ihres Fachs, weil sie ihr Handicap durch ein besonders ausgeprägtes Tastgefühl kompensieren. Dass dennoch viele blinde oder sehbehinderte Masseure und Masseurinnen nach Abschluss ihrer Ausbildung in der Berufswelt nicht Fuss fassen konnten, wurde einerseits auf das Fehlen von geeigneten Arbeitsplätzen in Kliniken, anderseits auf zu grosse Hürden bei der Eröffnung einer eigenen Praxis zurückgeführt.

Mit der Gründung der Gemeinschaftspraxis Sehende Hände in Winterthur im Jahr 2007 sollte diesem Missstand entgegengewirkt werden. Der Schwerpunkt wurde bei der blinden- und sehbehinderten-gerechten Infrastruktur und bei der bedarfsgerechten Assistenz gesetzt. Auf diese Weise sollten sich die Therapeutinnen und Therapeuten ganz auf ihre Stärken konzentrieren und sich beruflich erfolg-reich entfalten können. Trotz höherer Fixkosten im Vergleich mit anderen Massagepraxen wurde damit gerechnet, dass bei optimalem Projektverlauf der Betrieb nach 2-3 Jahren selbsttragend funktionieren werde.

Die sorgfältige Vorbereitung unter Einbezug von Betroffenen und Branchenkennern sowie das grosse Medieninteresse verschafften der Praxis Sehende Hände optimale Startbedingungen. Der Erfolg stellte sich denn auch rasch ein: der Betrieb verzeichnete kontinuierlich wachsende Kunden- , Umsatz- und Mitarbeiterzahlen, die weit über den Erwartungen lagen. „Sehende Hände“ schien ein Erfolgskonzept zu sein. Bald zeigte sich aber auch, dass der rasant steigenden Nachfrage nach qualitativ hochstehenden Massagen nicht genügend blinde und sehbehinderte Mitarbeitende gegenüberstanden, die dem anspruchsvollen Anforderungsprofil entsprachen. Kostenseitig entstand Mehraufwand für Soziallöhne, Versicherungen und Stellvertretungen, den die Praxis trotz stetig verbesserter Ertragslage nicht selber erwirtschaften konnte. Der ursprünglich vorgesehene Plan, die Praxisleitung den Therapeutinnen und Therapeuten zu übertragen und die Assistenzleistungen des sehenden Personals zu reduzieren, war in die Ferne gerückt. Defizitbeiträge durch die Initianten und die Gesellschaft erwiesen sich immer wieder als notwendig.

Hohe Ansprüche an Flexibilität und Belastbarkeit waren Begleiterscheinungen des Erfolgs, mit denen nicht alle Mitarbeitenden Schritt halten konnten. Gesundheitliche oder soziale Einschränkungen machten sich unter Druck häufiger bemerkbar und setzten dem Projektausbau Grenzen. Anderseits fühlten sich auch etliche blinde und sehbehinderte med. MasseurInnen nach einiger Zeit bei „Sehende Hände“ in ihrem Wunsch bestärkt, eine eigene Praxis am Wohnort zu eröffnen oder sich auf eine Stelle in einem Betrieb ohne Assistenzleistungen zu bewerben.

Im Jahr 2011 unterzogen die Projektgründerinnen das Konzept einer kritischen Prüfung. Obwohl sich die Geschäftsidee als grundsätzlich richtig und erfolgreich erwies, mussten hinsichtlich der Personalpolitik einige Annahmen hinterfragt werden. Trotz sorgfältiger Bedarfsabklärung im Vorfeld der Projektentwicklung bestätigte sich die Nachfrage nach Arbeitsstellen für blinde und sehbehin-derte med. Masseure und Masseurinnen nicht im erwarteten Ausmass. Die Schwierigkeiten, im Grossraum Zürich genügend gut ausgebildete und talentierte Mitarbeitende zu finden, führte zu unbefriedigenden Kompromissen und zu einer Stagnation der Unternehmensentwicklung. Auch zeichnete sich ab, dass neue sozial- und bildungspolitische Entwicklungen das Nachwuchsproblem bei den blinden und sehbehinderten medizinischen Masseuren und Masseurinnen in den kommenden Jahren verstärken würde.

Trotzdem garantierte der SBV der Praxis Sehende Hände für die Jahre 2012-2015 einen Beitrag von je Fr. 40‘000.- an den behinderungsbedingten Mehraufwand. Während dieser vier Jahre konnte der Umsatz auf dem bisherigen hohen Niveau gehalten werden, allerdings trugen immer mehr sehende Therapeuten dazu bei, die nachgefragte Kapazität bereit zu stellen. Die Fixkosten konnten zwar dank grosser Sparanstrengungen gesenkt werden, doch zeigte sich in Folge der starken Abnützung mehr und mehr Bedarf beim Unterhalt und der Erneuerung der Infrastruktur.

Für eine Weiterführung des Betriebs ab 2016 sprachen neben dem Erhalt der 10 Arbeitsplätz die vorhandene Infrastruktur, der grosse Kundenstamm und der ausgezeichnete Ruf der Praxis Sehende Hände. Dagegen sprachen der hohe Investitionsbedarf und weiterhin sinkende Zahlen bei den frisch ausgebildeten blinden oder sehbehinderten med. Masseuren/med. Masseurinnen am Institut IKMP in Therwil. Für das Betriebskonzept der Sehende Hände GmbH bestand kein ausgewiesener Bedarf mehr und es fanden sich ab 2016 weder private noch institutionelle Träger, die bereit waren, weitere Defizite zu tragen.

Ende 2015 hat die Praxis Sehende Hände in Winterthur den Betrieb eingestellt. Alle blinden oder sehbehinderten Mitarbeitenden haben eine Anschlusslösung gefunden: sei es, dass sie eine eigene Praxis eröffneten bzw. ausbauten oder eine neue Stelle antraten. In den neun Betriebsjahren haben an der Eichgutstrasse 6 gegen 4000 Frauen und Männer jeden Alters medizinische Massagen auf hohem Niveau in Anspruch genommen. Rund 100 Kundinnen und Kunden sind jede Woche bei Sehende Hände ein- und ausgegangen. Die 8 Teilzeit-Arbeitsstellen im Bereich Therapie waren im Lauf der Jahre von rund 20 blinden und sehbehinderten Mitarbeitenden besetzt. Im Durchschnitt hat jede Mitarbeiterin, jeder Mitarbeiter rund 3,5 Jahre bei Sehende Hände gearbeitet. Viele nutzten diese Berufserfahrung als Sprungbrett in die Selbständigkeit oder profitierten von besseren Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Zusammengefasst lässt sich sagen: die Starthilfe, die grosszügigen Spenden und regelmässigen Unterstützungsbeitrage zu Gunsten der Schaffung von Arbeitsplätzen für blinde und sehbehinderte med. Masseure und med. Masseurinnen waren gut eingesetzt und nachhaltig.

Der Dienstleistungsertrag der Praxis Sehende Hände betrug im Zeitraum von 9 Jahren rund 3 Millionen Franken. Total 2 Millionen Franken flossen in Form von Löhnen und Sozialversicherungen zurück an die Mitarbeitenden. Gegen Fr. 200‘000- wurden dem Staat in Form von Mehrwertsteuern abgeliefert. Damit liegt die Eigenwirtschaftlichkeit des Projektes weit über derjenigen von Sozialfirmen. Die Praxis Sehende Hände hat nicht nur der Sache der blinden und sehbehinderten Menschen in der Schweiz gedient, sondern auch einen wirtschaftlichen Beitrag geliefert und den Lebensraum Winterthur mit einem qualitativ hochstehenden komplementärmedizinischen Angebot bereichert.

News 18.05.2016

Tätigkeitsbericht 2015 des Vereins Punktacht

Liebe Mitglieder
Der Vorstand traf sich im Jahr 2015 zu 6 Sitzungen. Im Vordergrund stand die Suche und Planung der Übergabe der Praxis für medizinische Massage "Sehende Hände" an einen neuen Firmeninhaber. Dabei durfte der Vorstand die grosse Unterstützung von Josef Camenzind in Anspruch nehmen. Ihm sei an dieser Stelle besonders gedankt. Im Verlaufe des Berichtsjahres nahmen einzelne oder mehrere Vorstandsmitglieder zusammen mit der Hauptgesellschafterin und der Geschäftsführerin von der Sehende Hände GmbH an Gesprächen mit einer an der Praxis interessierten Person teil.

Im Juni 2015 fand die ordentliche Mitgliederversammlung statt. Zu jenem Zeitpunkt waren wir zuversichtlich, die Praxis per Ende Dezember einem Interessenten übergeben und 2016 mit neuem Konzept einer neuen Geschäftsführung überlassen zu können. Es kam dann aber doch noch anders als gedacht.

Kurz vor der definitiven Übergabe der Praxis im Oktober 2015 zog sich die am Praxisbetrieb interessierte Person für alle bei Sehende Hände involvierten Personen überraschend zurück. Auch die Kundschaft von "Sehende Hände" bedauerte, dass somit die Aufrechterhaltung der Praxis nicht mehr möglich war und dadurch per Ende 2015 geschlossen werden musste. Wir sind sehr froh, dass alle Mitarbeitenden eine Anschlusslösung gefunden haben, sei es, dass sie die eigene Praxis ausbauten oder eine neue Stelle antreten konnten.

Aus dem Praxisbetrieb Sehende Hände
2015 arbeiteten vier sehbehinderte Masseure und Masseurinnen mit total 100-120 Stellenprozenten bei Sehende Hände. Es liessen sich wöchentlich 70–80 Kunden und Kundinnen in der Praxis behandeln. Ab Juni wurde eine weitere sehbehinderte Masseurin für 2 halbe Tage angestellt. Ein sehbehinderter Masseur verliess die Praxis per 1. Oktober, nachdem er sich in einer Gruppenpraxis selbständig machen konnte. Bis auf die weiterhin stark gestiegenen Unterhaltskosten (Reparaturen) konnte das Budget 2015 eingehalten werden. Der Jahresumsatz betrug CHF 240'000.-, das heisst 20% weniger als in den Vorjahren.

Ende eines erfolgreichen Projektes
Der Abschied von der Massagepraxis "Sehende Hände" schmerzt. Die Erinnerung aber an ein gelungenes Arbeitsprojekt, das auch dank grosser finanzieller Unterstützung von Selbsthilfeorganisationen, Stiftungen, Vereinen und Privatpersonen 25 Therapeutinnen und Therapeuten zu wertvollen Berufserfahrungen und neuen beruflichen Perspektiven verhelfen konnte sowie vielen Menschen Freude und Bereicherung war, wird bleiben.

Der Vorstand bedankt sich an dieser Stelle bei allen ganz herzlich, die das Projekt bis zur Schliessung der Praxis Ende 2015 unterstützt und damit wesentlich zur beruflichen Integration blinder und sehbehinderter Menschen beigetragen haben.

Winterthur, 20. Januar 2016

Die Präsidentin Anita Häni

News 17.01.2016

Ende eines erfolgreichen Projektes

Nach eingehender Prüfung aller Möglichkeiten musste sich die Sehende Hände GmbH zur Schliessung der Praxis Sehende Hände per Ende 2015 entscheiden. Die vom Vereinsvorstand Punktacht intensiv angestrebte Nachfolgelösung zur Aufrechterhaltung der Praxistätigkeit ist im Oktober 2015 kurz vor deren Umsetzung überraschend gescheitert.

Seit der Eröffnung der Praxis Sehende Hände anfangs 2007 konnten rund 25 Therapeutinnen und Therapeuten wertvolle Berufserfahrungen sammeln. Früher oder später wagten fast alle den Sprung in die Selbständigkeit oder entwickelten neue berufliche Perspektiven. In verschiedenen Teilen der Schweiz praktizieren heute erfolgreich ehemalige Mitarbeitende der Massagepraxis Sehende Hände. Zudem ermöglichte die Praxisleitung auf Anfrage Schülerinnen und Schülern mit Sehbehinderung wie auch weiteren Interessierten einen Einblick in den Beruf des medizinischen Masseurs. Nebst Arbeitsplätzen für sehbehinderte und blinde Menschen trug das Projekt Sehende Hände auch zur Sensibilisierung rund um Sehbehinderung in der Bevölkerung von und um Winterthur bei.

Für die Praxis Sehende Hände ist es in den vergangenen 3 Jahren zunehmend schwierig geworden, für frei werdende Stellen blinde oder sehbehinderte Mitarbeitende zu finden. Nachdem die Ausbildung zum medizinischen Masseur 2009 auf Tertiärstufe (höhere Berufsbildung) angehoben wurde, ist die Zahl blinder Absolventen der Ausbildung zum/zur med. Masseur/in stark zurückgegangen. Diese Situation hat der Betriebsentwicklung trotz nach wie vor guter Auftragslage Grenzen gesetzt, so dass die finanziellen Voraussetzungen für die Weiterführung der Praxis nicht mehr gegeben waren.

Auflösung Verein Punktacht

Mit der Schliessung der Praxis Sehende Hände entfällt für den Verein Punktacht eine wesentliche Einnahmequelle (Mieterträge). Mit der Aufgabe der Praxistätigkeit werden dem Verein zudem auch die Grundlagen für zweckgebundene Spenden entzogen. Der Vereinsvorstand sieht sich unter diesen Begleitumständen ausser Stande, den Verein weiterzuführen. Die ausserordentliche Mitgliederversammlung zur vorgesehenen Auflösung des Vereins aufgrund Zahlungsunfähigkeit findet Ende Januar 2016 statt.

Wir bedanken uns an dieser Stelle bei allen, die sich in den letzten 13 Jahren mit viel Engagement für die Realisierung des „Projektes Praxis für medizinische Massage“ eingesetzt haben. Wir bedanken uns bei allen Gönnerinnen für ihre finanziellen Unterstützungsbeiträge, mit welchen für die soziale und berufliche Integration blinder und sehbehinderter Menschen viel bewirkt werden konnte.

Ein detaillierter Rückblick auf den Projektverlauf wird im Verlaufe des Februars 2016 aufgeschaltet.

Projekt

sehende Hände GmbH
Praxis für medizinische Massage

Detailierte Infos zum Projekt
Bildbeschreibung: Eingang zur Praxis
Bildbeschreibung: Der Empfang in der Praxis
Bildbeschreibung: Bei der Massage

 
 
 

Adresse des Vereins punktacht

Verein Punktacht Winzerstr. 58 8408 Winterthur Tel: 078 712 59 65
 
 
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